atelier erakovic

"Meine Perspektive - meine Welt"


Kunstunterricht in der 8. Klasse der Hans Radl Schule


www.hansradlschule.a7/hrs13

Text: Dipl.-Päd. Martin Schober


Meine Perspektive - meine Welt
Kunstunterricht in der 8. Klasse der Hans Radl Schule
www.hansradlschule.a7/hrs13


Keine Frage: Meine SchülerInnen sind großartig. Sie sind weltoffen und interessiert am Leben. Sie tragen ihre körperlichen Einschränkungen mit Würde und finden immer wieder individuelle Wege
ihre Ziele zu erreichen. Gemeinsam sind wir nun schon einige Jahre daran, ihren ganz persönlichen Platz im Leben zu entdecken und zu erobern. Was den Unterricht in Mathematik, Deutsch,
Geschichte usw. betrifft, müssen wir uns nicht verstecken. Nur: Der Kunstunterricht brachte mich
des Öfteren zum Verzweifeln ... In der Oberstufe der Hans Radl Schule für körperbehinderte Kinder stellte mich der Kunstunterricht immer wieder vor unlösbare Aufgaben. Zwei meiner SchülerInnen sind nicht in der Lage, einen Stift selbständig zu halten, einer sieht fast nicht, was er zeichnet. Viele können auf Bewegungserfahrungen nicht zurückgreifen, es fehlen Vorstellung und Selbstgefühl.


Darüber hinaus ist die Begeisterung von 14 -15 jährigen Burschen überschaubar, wenn die Ergebnisse ihres Schaffens nicht das ausdrücken können, was ihnen innerlich vor Augen steht. Zu allem Überfluss gehört Zeichnen nicht zu meinen größten Talenten, wie die grinsenden Gesichter zu meinen Tafelbildern unzweifelhaft verraten. Überraschend fand eine neue Kollegin in unser Team. Aleksandra Erakovic ist Künstlerin und unterstützt an zwei Vormittagen unseren Unterricht. Ihr experimenteller und ungehemmter Zugang zu Kunst und Design brach schnell das Eis. Immer wieder hielt sie die SchülerInnen an, ihre Arbeit zu reflektieren und sich der eigenen Gefühle und Gedanken bewusst zu werden. Durch kreativen Einsatz von Materialien und Techniken waren bald die ersten Erfolge zu bestaunen.


Das Zusammenspiel zwischen den vertrauten LehrerInnen (Dipl.Päd. Ulrike Torossian und ich) - die für einen sicheren Raum und ein angstfreies Klima sorgten - und den künstlerischen Impulsen von Aleksandra Erakovic setzte eine überraschende Dynamik frei. Zusammenhänge zwischen Unterrichtsfächern wurden greifbar. So verknüpften sich Musik und Bildende Kunst und wir entwickelten ein eigenes Material über Musikgeschichte. Schüler hielten Referate nicht länger über Haustiere, sondern über J.S. Bach oder Van Gogh. An der Tafel stellten manche Schüler ihre Werke vor, die zuvor nie vor einer Gruppe sprechen konnten. Als die einzelnen Puzzlesteine zusammen kamen, wurde der sonst stiefmütterliche Kunstunterricht zu einem „Highlight“. Einige unserer Werke zieren nun einen Gang im Gebäude des Wiener Stadtschulrates (siehe Fotos auf den folgenden Seiten). Sie geben persönliche Eindrücke wieder, wie unsere SchülerInnen ihre Stadt wahrnehmen. Großformatige Fotografien wurden mit unterschiedlichen Techniken bearbeitet. Sie geben das wieder, was Kunstunterricht im Idealfall vermitteln kann: Eine Perspektive für die Welt, die mich umgibt.


Aleksandra Erakovic-Pavlicevic
ist graphische Designerin, diplomierte Malerin,
Kunstpädagogin, diplomierte ganzheitliche Kunsttherapeutin und
Doktorandin auf der Angewandten Wien.
Sie ist Mutter zweier Kinder und wohnt in Wien.
http://www.galeriestudio38.at/9715


Dipl.-Päd. Martin Schober
Jahrgang 1969, verheiratet, Vater von drei Söhnen,
1990 als Zivildiener an der Hans Radl Schule für körperbehinderte Kinder gelandet und
seitdem mit Leidenschaft als Lehrer dort tätig.
Moto- und Erlebnispädagoge, IT-Regionalbetreuer,
Teamlehrer mit Dipl.-Päd. Ulrike Torossian


http://www.lehrerweb.at/fileadmin/user_files/redakteure/lw_spezial/ssr/doc/integration/integrationsjournal_juni_14.pdf